Wegen Fachkräftemangel geschlossen.
Fiktion oder Realität?

Als Marketingberater für Gastgeber sind Die Heldenhelfer auch oft mit dem Thema des Fachkräftemangels und der Personalsuche von Restaurants und Hotel konfrontiert. Aus diesem Grund haben wir unsere Kooperationspartnerin Johanna Füllgraf von Füllgraf Personalmarketing um einen Gastbeitrag gebeten. Hier sind ihre Gedanken zu Personalmarketing und Employer Branding im Gastgewerbe:

Wegen Fachkräftemangel geschlossen?

Fachkräftemangel wo man hinschaut. Die Folge ist: Die Bewerberzahlen nehmen drastisch ab, gute Mitarbeiter werden von der Industrie abgeworben. Ihre Geschäftsidee ist in Gefahr. So das Feedback verschiedener Branchen, ganz speziell der Hotellerie und Gastronomie.

Die Realität hat uns eingeholt. Es ist keine Ausnahme mehr, dass Gaststätten keinen Mittagstisch mehr anbieten können, Ausflugslokale am Wochenende gnadenlos unterbesetzt sind und Hotels an die Grenzen der Leistungskapazitäten stoßen. Und warum? Kein Personal. Ist dieser Trend noch zu stoppen?

Gibt es ihn wirklich, den überall und viel zitierten Fachkräftemangel? Bestimmt der Bewerbermarkt über unsere aller Zukunft?
Ja – dieser Realität müssen wir ins Gesicht schauen. Wir befinden uns in einem Bewerbermarkt. Der Bewerber bestimmt die Regeln bzw. kann sich die Rosinen rauspicken. Die Fachkräfte sind sich ihrer Position sicher und kosten diese Situation aus.

Aber noch lange kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Den Begriff „Fachkräftemangel“ gilt es noch ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen. Eins ist jedenfalls klar: Auch Fachkräfte sind nur Menschen mit ganz normalen Wünschen und ganz normalen Vorstellungen, für was und für wen sie ihre Arbeitskraft eingeben wollen. Es muss – wie in jeder guten Partnerschaft – einfach passen. Heute mehr denn je.

Wenn wir uns der „Geschichte vom Topf und dem passenden Deckel“ nähern wollen, so sollten wir vorab mal der Frage kritisch nachgehen, was Fachkräftemangel heißt bzw. was eine Fachkraft wirklich ausmacht. Ist es der fachliche Bezug, der erfolgreiche Abschluss gekoppelt mit mehrjährigen Berufserfahrungen? Oder zeichnet sich eine Fachkraft eher durch Engagement aus, den Willen zu lernen, dazuzulernen und einer ausgeprägten Motivation für den Job? Und speziell in der Hotellerie und Gastronomie: die Bereitschaft und Freude, den Gast in den Mittelpunkt zu stellen und für ihn zu sorgen? Dafür einstehen, dass Ihre Gäste zufrieden das Haus verlassen und wieder kommen wollen. Das kann man nur sehr bedingt lernen, sondern hier überzeugen ganz persönliche Eigenschaften – sozusagen weiche Faktoren / soft skills wie der Personaler sagt.

 

Die große Frage im Personalmarketing: Was also macht Sie aus?

Wenn wir das Phänomen Fachkräftemangel weiter entzaubern wollen, müssen wir noch einen Schritt konkreter werden und Antworten auf die Frage finden: Was war und ist Ihre Geschäftsidee? Was zeichnet Ihr Unternehmen bzw. Ihr Haus aus? Was also macht Ihren Erfolg, Ihre Einzigartigkeit aus? Wie schaffen Sie Begehrlichkeiten bei Ihrer Zielgruppe bzw. Ihren Gästen und wie schaffen Sie es, Ihre Gäste nachhaltig an Ihr Unternehmen binden zu können und Sie weiter zu empfehlen? Diese Frage ist elementar im Kampf um Fachkräfte. Wie war das noch einmal mit dem Topf und dem Deckel? Je genauer der Topf, desto passender der Deckel.

Diese Einzigartigkeit ist der wichtigste Indikator für Ihren Erfolg und macht Ihre Marke aus. Diese – Ihre – Marke ist gleichzeitig der größte Garant für Ihren Erfolg, Menschen bzw. MitarbeiterInnen zu finden und zu binden.

Aber genau hier bricht die Kommunikation häufig ab. In der Anwerbung neuer Mitarbeiter fehlt es sehr oft an der Liebe zum Detail – für welche Idee Ihr Unternehmen steht. Was Ihnen wichtig war und ist – und für Ihre künftigen Mitarbeiter bei Ihnen einstehen und sich damit identifizieren können. Es ist ein Unterschied, ob Sie einfach eine/n Mitarbeiter/In suchen oder ob Sie für Ihre (beschriebene) Geschäftsidee und für Ihre Teamkollegen/innen Verstärkung suchen. Die Beschreibung Ihrer Geschäftsidee zeugt doch eindeutig für mehr Konzept und damit auch für eine tragfähige berufliche Zukunft und – nicht zu unterschätzen – vor allen Dingen auch für Wertschätzung.

 

Bewerber wollen durch Employer Branding überzeugt werden (Quelle: www.stellenanzeigen.de)

 

Mit der liebevollen Beschreibung Ihrer Geschäftsidee schaffen Sie eine Basis, dass sich Bewerber angesprochen fühlen, die ebenfalls so ticken wie Sie. Die für die gleichen oder zumindest sehr ähnliche Werte einstehen wollen. Und diesen Gleichklang spüren Ihre Gäste. Sie danken es Ihnen durch ihre Treue und sichern Ihnen damit den nachhaltigen Erfolg.

Zusammengefasst bedeutet das, dass die Zufriedenheit Ihrer Gäste maßgeblich mit dem Engagement Ihrer Mitarbeiter einhergeht. Ja klar, auch mit Ihrer Geschäftsidee. Aber was nützt Ihnen die beste Geschäftsidee, wenn sie von Ihren Mitarbeitern nicht gelebt und umgesetzt wird?

Nun stelle ich die Frage: Braucht es dazu wirklich die erfahrene Fachkraft mit Diplom in der Tasche? Oder eher den Kandidaten, der sich für Ihre Idee begeistert – auch, wenn die Krönung sicherlich die Person ist, die beides vereint: Perfekter Abschluss und Überzeugung für Ihr Haus.

Damit wird eines deutlich: Nicht die Suche nach den Abschlusszeugnissen plus die Anzahl der Jahre an Berufserfahrung steht im Zentrum der Mitarbeitersuche, sondern die Klarheit Ihrer Geschäftsidee und Ihrer eindeutigen Unternehmensmarke. Je einzigartiger sie am Markt erscheinen und bekannt sind, desto erfolgreicher sind Sie bei der Mitarbeiterbindung und Mitarbeiterfindung. Noch einmal anders ausgedrückt: Eine klare gelebte Geschäftsidee ist der fruchtbarste Boden für eine authentische und attraktive Arbeitgebermarke.

Selbstverständlich spielen neben der Geschäftsidee auch die Arbeitsbedingungen, das Miteinander und der wertschätzende Umgang eine tragende Rolle. Aber wenn Ihre Mitarbeiter für Ihre Idee brennen und sie gern umsetzen und dazu noch Wertschätzung erfahren, dann freuen diese sich auf die Arbeit, die sie während des Tags erwartet.

Und genau hier liegt der größte Hebel der Hotellerie und Gastronomie, dem Fachkräftemangel wirksam begegnen zu können. Hier macht Ihnen die Industrie noch etwas vor. Denn sie können begeistern und Bewerber emotional besser überzeugen.

Seien Sie offen bei Ihrem Engagement im Personalmarketing!

Meine große Bitte: Schütteln Sie das ewige Mantra dieser Branche ab, sie sei nicht attraktiv, weshalb Bewerber sich erst gar nicht für Jobs in der Hotellerie und Gastronomie interessierten. Dieses Argument lasse ich nicht gelten. Die Attraktivität Ihrer Branche haben Sie selbst in der Hand. Sie stellen die Weichen und Sie können an den Stellschrauben drehen – und Sie haben sehr wohl interessante Stellschrauben.

Ja, es wurden in der Vergangenheit Fehler begangen: Mitarbeiter wurden nur eingestellt um Lücken zu füllen. Oft gab es keine Sicherheiten, zu selten interessante Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Die Folge? Die Mitarbeiter kamen, arbeiteten und gingen wieder nach Hause. Nichts passte – die Beschreibung des Jobs hatte nichts mit der Realität zu tun. Weder inhaltlich, noch im Miteinander. So kann auch die attraktivste Branche keine Mitarbeiter überzeugen. Das hat nichts mit geringer Attraktivität zu tun, sondern mit mangelnder Wertschätzung. Und mit fehlenden Zukunftsperspektiven.

Aktuelle Statistiken belegen es, es gibt einen ziemlich hohen Anteil an Bewerbern, die nicht in klassischen Betrieben wie KMUs oder Konzernen arbeiten wollen, sondern die dazu geboren wurden, für andere Menschen da zu sein. Dabei denke ich beispielsweise an Pflegekräfte oder Krankenschwestern. Sie schütteln den Kopf? Wissen Sie was mir Krankenschwestern einer nicht sehr unwichtigen Abteilung in einem Krankenhaus gesagt haben, dessen Abteilung kurzfristig geschlossen wurde? Wir suchen keine Stelle mehr in einem Krankenhaus. Wir würden gerne in einem Hotel oder in einem Restaurant unsere berufliche Zukunft sehen und unsere Passion, Menschen zu umsorgen und zu bedienen, jetzt bei gesunden Menschen anwenden. Diese Passion, dienen zu wollen, verliert sich nicht einfach.

Ich denke aber auch an all die WiedereinsteigerInnen, die 50+ Kräfte, die nicht mehr in die zum Teil sehr aggressive Arbeitswelt eintauchen, sondern eine Idee mit nach vorne bringen wollen – warum also nicht auch Ihre (Geschäfts)Idee? Für Ihr Versprechen heimischer Küche. Für nachhaltige Produkte. Für eine Küche nach Omas Rezept. Sicherlich fallen Ihnen hierzu noch einige Ideen ein …

 

Die Attraktivität Ihrer Branche zeigt sich im Employer Branding

Es gibt nur wenige Branchen, in denen man/frau auch das Ergebnis sieht und anfassen kann wie z.B. die neue Kreation aus der Küche, das neue Mixgetränk, die selbstgemachte Limonade von der Bar. Oder das Hotel, das neben kulinarischem Verwöhn-Programm auch Kunst zum Genießen anbietet. Wo erleben denn Mitarbeiter dieses Privileg sonst noch?

Diese „menschlichen“ Zufriedenheitsfaktoren wie das Lächeln eines Kunden, die Zufriedenheit von Wiederkehrern verlieren sich nicht in Betriebskennzahlen. Der Mitarbeiter kann sie sehen, anfassen, spüren, miterleben und vor allen Dingen mitgestalten. Noch einmal: Es gibt nicht viele Berufe, die das bieten.

Sind Sie sich wirklich dessen bewusst, welchen Schatz Sie hier in der Hand haben, um Mitarbeiter langfristig binden und neue Mitarbeiter finden zu können?

Erkennen Sie die Möglichkeiten, Ihren Mitarbeitern ein gutes und sicheres Fundament an Weiterentwicklungsmöglichkeiten bieten zu können?

 

Attraktivität und Offenheit im Personalmarketing ziehen die richtigen Mitarbeiter an

Zusammengefasst ergeben sich folgende Punkte:

  1. DEN Fachkräftemangel gibt es nicht wirklich
  2. Vergessen Sie das Mantra von der unattraktiven Branche
  3. Stellen Sie Ihre Einzigartigkeit heraus
  4. Seien Sie offen(er) für Quereinsteiger

Mitarbeiter, die sich wohl fühlen, die ihren Job mit Überzeugung umsetzen und wissen, für was, für welche Geschäftsidee sie einstehen, sind der beste Meinungsbildner nach innen, vor allen Dingen aber der beste Markenbotschafter nach außen – bei Ihren potentiellen Bewerbern, aber auch bei Ihren Kunden.

Das nenne ich erfolgreiche Kommunikation auf allen Ebenen und einen perfekten Marketing-Mix.

 

Über die Autorin

Johanna Füllgraf von Füllgraf Personalmarketing

Johanna Füllgraf von Füllgraf Personalmarketing

Johanna Füllgraf hat über 15 Jahre die Agentur advalueMEDIA aufgebaut und geleitet und damit namhafte Kunden von ihren Leistungen überzeugt und über Jahre begleitet. Mit ihrer Marke Füllgraf Personalmarketing ist sie Partner für Personalmarketing & Employer Branding auch für gastgewerbliche Betriebe in Hotellerie und Gastronomie. Darüber hinaus ist sie seit 2015 Mitglied der IHK Vollversammlung und zertifizierte Beraterin beim RKW Hessen.

Das Credo von Johanna Füllgraf: „Konsequentes Personalmarketing gehört derzeit zu den größten Herausforderungen strategischer Personalarbeit und Personalplanung. Eine authentische Positionierung als attraktive Arbeitgebermarke – intern wie extern – ist dabei eine der wichtigsten Voraussetzungen, um nachhaltig dem Fachkräftemangel begegnen zu können.“

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